Zwischen Burgmauern und Künstlicher Intelligenz – das Castlecamp 2026
Eine Burg aus dem 12. Jahrhundert. Dicke Steinmauern, alte Holzbalken und vor den Fenstern die Berge des Salzburger Landes. Und mittendrin wird über Künstliche Intelligenz, Future Skills, Sichtbarkeit in KI-Suchmaschinen und die Zukunft des Tourismus diskutiert.
Ein spannender Kontrast – und gleichzeitig eine passende Kulisse für ein Barcamp, bei dem es immer wieder um die Frage geht: Wie sieht Tourismus in Zukunft aus?
Eine Burg mit Vergangenheit
Die Burg Kaprun blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ihre Entstehung wird im 12. Jahrhundert vermutet, 1280 taucht der „Turn zu Chaprunne“ erstmals urkundlich auf. Später war die Burg unter anderem Sitz des erzbischöflichen Pflegegerichts. 1526 wurde sie während der Bauernaufstände zerstört und im Laufe des Jahrhunderts wieder aufgebaut. Um 1600 erhielt sie ihren heutigen Grundriss.
Nach Jahrhunderten wechselnder Besitzer und zunehmendem Verfall begannen in den 1970er-Jahren erste Sanierungsarbeiten. Mitte der 1980er-Jahre übernahm der Burgverein Kaprun die Burg und setzte die umfangreiche Restaurierung fort.
Heute bilden die alten Mauern die Kulisse für ganz unterschiedliche Veranstaltungen. An diesem Wochenende geht es hier um ausgesprochen gegenwärtige und manchmal ziemlich futuristische Themen.
Denn die Burg Kaprun ist Schauplatz des
Castlecamps, eines touristischen Barcamps, dessen Geschichte bis ins Jahr 2008 zurückreicht. Damals fand hier das erste touristische Barcamp Österreichs statt. Schon bei der Premiere ging es um Entwicklungen, Trends und Herausforderungen im Tourismus – mit einem deutlichen Schwerpunkt auf dem damals noch jungen Web 2.0 und E-Tourismus.
2026 trifft sich die Community wieder auf der Burg. Über allem steht der etwas kryptische Hashtag #cczk26 – Castlecamp Zell am See-Kaprun 2026.
Sessionplanung statt festem Programm
Wer eine klassische Konferenz erwartet, bei der morgens das Namensschild abgeholt und anschließend der bereits Wochen vorher festgelegte Zeitplan abgearbeitet wird, ist bei einem Barcamp falsch.
Das Programm entsteht erst vor Ort. Wer ein Thema mitbringt, stellt es den anderen kurz vor. Anschließend werden Räume und Zeiten vergeben. Aus vielen einzelnen Sessionvorschlägen entsteht nach und nach der Plan für den Tag.
Beim Castlecamp konnten zwar bereits im Vorfeld erste Ideen eingereicht werden. Welche Sessions tatsächlich stattfinden und wann sie auf dem Programm stehen, entscheidet sich aber erst vor Ort.
Und so füllt sich am Samstagmorgen nach und nach die große Tafel. Drei Räume, zahlreiche Zeitslots. Und dann darf man sich entscheiden, in welche Session man sich einbringen möchte.
Mal geht es um Future Skills, mal um Live Coding, Künstliche Intelligenz und Suchmaschinen, europäische Best Practices, Innovation, Fachkräfte oder Social Media. Eine Session beschäftigt sich beispielsweise mit der Frage, was passiert, wenn aus einem touristischen Geheimtipp durch Instagram plötzlich ein Hotspot wird.
Was schnell auffällt: Das Castlecamp nennt sich „das touristische Barcamp“, hat aber einen deutlichen digitalen Schwerpunkt. Neu ist das nicht. Digitale Themen gehörten schon 2008 zum Konzept des ersten Castlecamps.
2026 sind es nun eben KI-Agenten, Large Language Models und Vibe Coding.
Miteinander statt nur zuhören
Die Titel auf den Sessionzetteln sind aber nur die eine Hälfte eines Barcamps. Mindestens genauso wichtig ist das, was anschließend in den Räumen daraus wird.
Eine Session muss hier kein perfekt vorbereiteter Vortrag mit 47 PowerPoint-Folien sein. Jemand bringt eine Frage, eine Erfahrung oder eine Idee mit. Andere ergänzen, widersprechen, berichten aus ihrer Praxis oder werfen eine neue Frage in den Raum.
So kommen Menschen aus Tourismusverbänden, Hotellerie, Marketing, Beratung, Technologie und anderen Bereichen miteinander ins Gespräch. Das fühlt sich deutlich anders an als eine klassische Konferenz: weniger Bühne und Publikum, mehr gemeinsames Nachdenken.
Während der Sessions gilt das „Gesetz der zwei Füße“: Wenn eine Session gerade nicht das Richtige ist, steht man auf und wechselt in eine andere. Das gilt beim Barcamp nicht als unhöflich, sondern gehört zum Konzept.
Und dann ist da natürlich noch die Burg. Statt in einem beliebigen Tagungshotel sitzt man zwischen dicken Steinmauern, läuft für die nächste Session durch die Burg und schaut zwischendurch hinaus auf die Pinzgauer Berge. Es gibt definitiv schlechtere Orte für ein Barcamp.
Mein Highlight: Future Skills
Meine persönliche Lieblingssession des Castlecamps trägt einen ziemlich großen Titel: Future Skills – was brauchen wir heute und in zehn Jahren?
Auf einem Flip-Chart sammeln sich nach und nach Begriffe aus ganz unterschiedlichen Bereichen: persönliche Skills, Zusammenarbeit, Transformation und Technologie. Daneben stehen Selbstverantwortung, Offenheit, Empathie, Zuhören, Reflexion, Neugier, Resilienz, Unternehmenskultur und Wissensmanagement.
Natürlich kommt auch hier das Thema KI auf. Meine wichtigste Erkenntnis aus der Session: Technologie sollte uns dort unterstützen, wo sie uns tatsächlich Arbeit abnimmt und Freiräume schafft.
Gerade im Tourismus finde ich diesen Gedanken spannend. KI kann Prozesse vereinfachen, Routineaufgaben übernehmen, Informationen schneller verfügbar machen und Arbeit im Hintergrund reduzieren.
Aber das Ziel sollte nicht sein, den Gastgeber durch Technologie zu ersetzen. Sondern ihm durch Technologie wieder mehr Zeit für das zu geben, was eigentlich seine Aufgabe ist: Gastgeber zu sein.
Das ist der Gedanke aus der Session, der mir auch am zweiten Tag noch im Kopf bleibt.
Von Whisky bis KI-MOO-DO
Castlecamp findet nicht nur in den Sessions statt. Auch beim Frühstück, Mittagessen und in den Pausen ist reichlich Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen oder neue zu beginnen. Am Samstag endet das reguläre Sessionprogramm mit einem Whisky-Tasting, anschließend geht es zum gemeinsamen Abendessen nach Kaprun.
Der Sonntag startet etwas anders – mit KI-MOO-DO, einer Form der Meditation in Bewegung, die Körper und Geist aktiviert. Und so starten wir mit ziemlich viel Energie in den zweiten Barcamp-Tag.
Danach folgt die Sessionplanung für den Sonntag. Auf dem Sessionplan stehen unter anderem „Welche LLM verwendet mein Unternehmen?“, KI-Werbekampagnen und „Bring your own KI Agent“, an der ich teilnehme.
Daneben gibt es andere Themen, etwa Politik und Tourismus, Coworkation und Crowd Management.
Was hat Tierernährung mit Tourismus zu tun?
Eine besonders schöne Begegnung gibt es für mich gleich am ersten Tag: Ich treffe Doris. Wir kennen uns schon länger aus der Solopreneur-DACH-Skool-Community – bislang allerdings ausschließlich online. Ausgerechnet auf einer Burg in Kaprun lernen wir uns nun auch persönlich kennen.
So klein ist die Welt.
Irgendwann stellt Doris mir eine ziemlich naheliegende Frage: „Was hat Tierernährungsberatung eigentlich mit Tourismus zu tun?“ Auf den ersten Blick vielleicht tatsächlich nicht besonders viel. Auf den zweiten schon.
Ich lebe selbst in einer stark touristisch geprägten Region, in Bad Griesbach im Rottal, und beschäftige mich unter anderem mit der Frage, wie Gastgeber ihr Angebot für Menschen verbessern können, die mit ihrem Hund Urlaub machen.
Denn „Hunde erlaubt“ und „hundefreundlich“ sind nicht zwangsläufig dasselbe.
Was brauchen Gäste mit Hund tatsächlich? Welche Informationen sollten sie schon vor der Anreise bekommen? Welche kleinen Angebote erleichtern den Aufenthalt? Und wie können Gastgeber diese Zielgruppe ansprechen, ohne gleich ein spezialisiertes Hundehotel werden zu müssen?
Hier gibt es auch konkrete Anknüpfungspunkte für meine Arbeit als Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen. Ich biete tierfreundlichen Hotels und anderen Gastgebern Kooperationen an – beispielsweise Vorträge rund um die Hundeernährung oder Angebote mit hochwertigem Hundefutter und Leckerlis für vierbeinige Gäste.
Die Verbindung zwischen Tierernährung und Tourismus ist also gar nicht so weit hergeholt.
Was bleibt nach zwei Tagen Castlecamp?
Zwei Tage Castlecamp und am Ende bleibt deutlich mehr als eine Liste besuchter Sessions.
Da ist die besondere Energie eines Barcamps, bei dem niemand nur zum Zuhören kommt. Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen bringen ihre Erfahrungen mit, stellen Fragen, diskutieren miteinander und gestalten das Programm selbst. Vieles entsteht erst im Gespräch.
Dazu kommt mit der Burg Kaprun ein Ort, der wohl kaum weiter von einem klassischen Konferenzhotel entfernt sein könnte. Jahrhundertealte Mauern, Holzbalken, Burghof und der Blick auf die Berge – das bleibt genauso in Erinnerung wie manche Session.
Und
natürlich nehme ich auch einige Gedanken mit nach Hause. Besonders den aus der Future-Skills-Session: Sich auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren und sich Zeitfresser von der KI abnehmen lassen.













